Vandana Shiva: Aktivistin für Umweltschutz und Menschenrechte (ein Porträt)

Quelle: Bernward Geier

Vandana Shiva ist nicht nur Indien’s wohl prominenteste Kämpferin für Umweltschutz und Bürgerrechte, sondern als promovierte Quanten-Physikerin auch eine ausgewiesene Wissenschaftlerin. Sie bezeichnet sich auch gern als Öko-Feministin. Gerade diese Pionierrolle wurde in der Begründung für den Alternativen Nobelpreis besonders hervorgehoben, denn als Öko-Feministin habe sie „Frauen und Ökologie im Zentrum des modernen Diskurses um Entwicklungspolitik platziert.“

Als scharfe Globalisierungskritikerin und charismatische Rednerin setzt sie sich weltweit für ein gerechteres und faireres Wirtschaftssystem ein und dies verbindet sie eng mit ihrem Engagement zur Erhaltung der Biodiversität, die ja insbesondere von den Auswirkungen der Globalisierung bedroht wird. Egal ob Monsanto oder Coca Cola - kein multinationaler Konzern kann Vandana Shiva abschrecken oder gar daran hindern, dass sie sich unermüdlich und immer wieder erfolgreich für die Armen und unterdrückten dieser Welt engaiert. Der Stern überschrieb ein Interview von Vandana Shiva zum G 8 –Gipfel in Rostock: „Sie ist die Stimme der armen Länder.“

Auf internationaler Ebene nimmt sie eine ganze Reihe von Funktionen und Aufgaben wahr. So ist sie Mitglied des „Club of Rome“, eines von 50 Mitglieder des neu etablierten Weltzukunftsrates (World Future Council), Präsidentin der internationalen Kommission „Zukunft der Lebensmittel“ und seit kurzem auch Vizepräsidentin der Slow Food Bewegung. Bei all ihren internationalen Aktivitäten bleibt sie tief verwurzelt und verbunden mit ihren Mitmenschen in Indien und hier vor allem mit den Kleinbauern. In ihrer täglichen Arbeit wird sie von ihrem großen Vorbild Mahatma Gandhi geleitet, das heißt sie ist auch eine konsequente Verfechterin der Gewaltlosigkeit.

Ihre vielfältigen Aktivitäten werden in Indien von der Organisation Navdanya koordiniert, die sie vor über 20 Jahren gründete. Folgende drei Hauptziele werden von Navdanya umgesetzt:

• Erhaltung der Vielfalt
• Verbreitung des biologischen Landbaus
• Fairer Handel

Inzwischen hat Navdanya in ganz Indien ein großes Netzwerk aufgebaut, dem etwa 200.000 Bauern direkt als Mitglied angehören. Diese wiederum verbreiten das Wissen und die Kenntnisse in ihre Dörfer, so dass inzwischen wohl 5 Millionen Menschen von Navdanya erreicht wurden.

Neben dem politischen Kampf gegen Biopiraterie, Saatgutpatentierung , Monopolisierung und Gentechnik konzentriert sich Navdanya vor allem auf die Verbreitung von Alternativen allen voran des biologischen Landbaus und des fairen Handels. Mit Hilfe von Navdanya wurden in ganz Indien 40 Saatgutbanken eingerichtet, in denen zum Beispiel über 2.000 Reissorten erhalten werden und auch an die Bauern zum Anbau abgegeben werden.

Den Zielen von Fairtrade verpflichtet baut Navdanya auch die Vermarktung von Bioprodukten in Indien maßgeblich mit auf. Allein in Delhi gibt es inzwischen 5 Bio- und Fairtrade-Läden von Navdanya. Slow Food-Gründer Carlo Petrini selbst weihte das erste Bio- und Slow Food-Restaurant Indiens ein.

In der Verbindung von biologischer Landwirtschaft und der „Slow Food-Esskultur“ hat Navdanya neuerdings auch ein Programm gestartet, das unter dem Titel „Unsere kleinen Köche“ das Thema auf ganz praktischem Wege durch Kochkurse nicht nur Schul- sondern auch Straßenkindern näher bringt.


Agrogentechnik, Biodiversität und Ökologischer Landbau

Interview mit Frau Vandana Shiva / Indien

Quelle: Bernward Geier

Welche Auswirkungen hat die Agrogentechnik auf die Landwirtschaft und die Lebensmittelwirtschaft in Indien?

Die Agrogentechnik kam mit der Bt-Baumwolle von Monsanto nach Indien. Für die indischen Bauern hatte die Gentechnik vor allem vier Auswirkungen.

Die erste Folge war eine Abnahme der Biodiversität. GVO-Pflanzen werden in Monokulturen angebaut. Die Bt-Baumwolle verdrängt somit die ursprüngliche Vielfalt an Feldfrüchten. Bei Warangal in der Region Andhra Pradesh wurden durch die Bt-Baumwolle beispielsweise Erdnuss und die Castor-Bohne (Rizinus) verdrängt.

Die zweite Auswirkung, die das GVO-Saatgut mit sich brachte, war eine Kostenexplosion für die Bauern. Monsanto verkauft Bt-Baumwolle für Rs. 3.600/kg, während herkömmliches Saatgut Rs. 200/kg und das indigene Saatgut gar nichts kostet.

Die dritte Folge des Anbaus von GVO-Saatgut war eine Häufung von Missernten. Wie der Bauer Narendra Pawar aus Madhya Pradesh berichtet, steht im Kleingedruckten der Saatgutfirma-Verkaufsbroschüre: „Das Anbau-Management liegt außerhalb unserer Verantwortung. Für den Ertrag haftet einzig und alleine der Landwirt”. Hier wird deutlich, dass sich die Saatgutfirma jeglicher Verantwortung entzieht. Die in dicken Lettern gedruckten Werbebehauptungen widersprechen völlig den Inhalten des Kleingedruckten. Die Bauern wollten deshalb wissen, warum die Bt-Baumwollsorten mit dem Versprechen auf höhere Erträge vermarktet werden.

Bei der öffentlichen Anhörung wurden mehrere Anschuldigungen geäußert. Narendra Pawar aus Khaparkheda erinnert sich, dass die Repräsentanten der Saatgutfirma alles Mögliche sagten, um jegliche Verantwortung von sich zu weisen. „Wenn wir sagten, dass die angebauten Pflanzen vertrockneten, antworteten sie, dass wir mehr bewässern sollten. Wenn wir sagten, dass das Feld bewässert wurde, dann sagten sie, dass die Pflanzen nicht so viel Wasser vertragen würden. Zu denen, die im Monat Mai ausgesät hatten, sagten sie, dass eine Aussaat im Mai viel zu früh wäre. Denjenigen Bauern, die mit der Aussaat bis zum Juli gewartet hatten, sagten sie, dass dies viel zu spät wäre. Sie sagten auch, dass Missernte und das Welken der Pflanzen durch Pilzbefall hervorgerufen würden. Wir öffneten daraufhin die Pflanzen und konnten keinerlei Pilzinfektion feststellen. Und dann behaupteten sie, dass sie niemals irgendwelche Garantien für hohe Erträge gegeben hätten”.

Eine vierte Folge der Gentechnik ist die Bildung von Monopolen auf Saatgut und die Aushöhlung der Souveränität über das Saatgut. Alles in allem hat all dies dazu geführt, dass die Bauern in die Schuldenfalle gerieten und eine wahre Selbstmord-Epidemie unter den Bauern ausgelöst wurde. In Indien haben sich im letzten Jahrzehnt mehr als 200.000 Bauern das Leben genommen. Die meisten Selbstmorde wurden in den Regionen begangen, in denen Bt-Baumwolle angebaut wird.

Gibt es in Indien einen organisierten Widerstand gegen die Agrogentechnik und welche Organisationen arbeiten dort zusammen? Welche Rolle spielt die Bio-Bewegung?

Navdanya, die indische Bio-Bewegung und ihre Schwesterorganisation Research Foundation for Science, Technology and Ecology [Stiftung für Forschung in Wissenschaft, Technologie und Ökologie] spielen in Indien eine führende Rolle im Kampf gegen die Agrogentechnik. Als Monsanto im Jahr 1998 illegale Feldversuche mit Bt-Baumwolle durchführte, initiierten wir die Kampagne “Monsanto raus aus Indien”. Wir begannen, die Leistung von gentechnisch veränderter Baumwolle zu untersuchen und reichten eine öffentliche Klage ein. Im Rahmen der Kampagne “Monsanto raus aus Indien” erhielten alle landwirtschaftlichen Verbände und Organisationen in ganz Indien Informationen über GVO, Monsanto und die anhängigen Gerichtsverfahren. In Andhra Pradesh und in Karnataka zerstörten und verbrannten Bauern illegal von Monsanto angebaute Bt-Baumwolle. Ähnliche direkte Aktionen wiederholten sich, als Bauern aus Haryana und Tamil Nadu Feldversuche mit Bt-Reis zerstörten. Forschungsergebnisse bestätigen immer wieder, dass Bt-Baumwolle höhere Kosten verursacht und zu vermehrten Missernten führt. Unsere Anstrengungen haben bewirkt, dass bis zum heutigen Tag keine GVO-Pflanzen kommerziell in Indien eingeführt wurden.

Dann können Sie ja sicherlich von einigen Erfolgsgeschichten berichten?

Im Jahr 2000 initiierten wir eine Bewegung für GVO-freie, agrochemikalien-freie Dörfer in Form einer Initiative gelebter Demokratie (Jaiv Panchayat). Seitdem haben sich über 5.000 Dörfer in dieser Bewegung organisiert. Alle diese Dörfer bekennen sich zu einer Landwirtschaft ohne Agrogentechnik.

Im Mai 2007 organisierten wir eine “Bija Yatra” (Saatgut Pilgerfahrt) durch Maharashtra, Andhra Pradesh und Karnataka mit dem Ziel, GVO-freie und patentfreie Zonen zu schaffen.

Die “Bija Yatra” förderte das Bewusstsein der Bauern über die Agrogentechnik, informierte über die Machenschaften der Agroindustrie und über Saatgut-Monopole. Die Teilnehmer der Pilgerfahrt verbrannten immer wieder während der gesamten “Tour der Hoffnung” Bt-Baumwolle, um Bauern zum Boykott gegen die Bt-Baumwolle aufzurufen und sie zu ermutigen, das Selbstmord-Saatgut und das Saatgut der Sklaverei aufzugeben und stattdessen das Saatgut des Lebens, der Hoffnung und Freiheit zu verwenden. Die “Bija Yatra” wurde von einem mit Saatgut beladenen Lkw begleitet. Unterwegs wurde dieses Saatgut an Bauern verteilt, die förmlich nach diesem Saatgut lechzten, nachdem ihr Saatgut durch die Saatgut-Monopole von Monsanto und deren indische Tochterfirmen und Lizenznehmer zerstört wurde.

Die Pilgerfahrt wurde gemeinsam von der Vidharbha Organic Farmers Association [Vidharbha Bio-Landwirte Vereinigung], Maharashtra Organic Farmers Association [Maharashtra Bio-Landwirte Vereinigung], Andhra Pradesh Ryotu Sangham, MAR, All India Kisan Sabha, Karnataka Ryota Rajya Sangh, Bharat Krishak Samaj, Navdanya sowie weiteren Aktivisten und Organisationen organisiert.

Dank der Kampagnen von Navdanya zur Bewusstseinsbildung sowie der vielen Fortbildungen und Seminare, hat die Selbstmordregion Koljhari in Vidharbha beschlossen, zukünftig keine Bt-Baumwolle mehr anzupflanzen.

Navdanya, Vidharbha Jan Andolan und die Vidharbha Organic Farmers Association starteten eine Kampagne mit dem Ziel GVO-freie, ökologisch bewirtschaftete Dörfer in Vidharbha zu schaffen.

Nachdem das Maßnahmenpaket des Ministerpräsidenten zur Verhinderung weiterer Selbstmorde von Landwirten in Vidharbha scheiterte, hat sich die Bürgerbewegung verpflichtet, den Bauern Alternativen zu gentechnisch verändertem Saatgut und unfairem Handel aufzuzeigen. GVO-freie Saatgutbanken wurden eingerichtet, um die Bauern vor dem Selbstmord-Saatgut unabhängig zu machen.

Wie agieren die Befürworter der Gentechnik?

Obwohl die Bewegung für ein GVO-freies Indien sehr stark ist, ist der Druck der USA und der Biotechnologie-Industrie auf Indien ebenfalls massiv. Im Juli 2005 unterzeichnete Indien ein bilaterales Landwirtschaftsabkommen mit den USA. Monsanto ist einer der Co-Unterzeichner dieses Abkommens. Folglich gibt es Bestrebungen, den Umgang mit GVO-Lebensmittel in Indien zu deregulieren.

Auf dem Umweltgipfel wurde die Konvention zur Biodiversität unterzeichnet, welche den Schutz der Artenvielfalt auf der Erde zum Ziel hat. Artikel 19.3 der Konvention ruft die Unterzeichner dazu auf, einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, um die von gentechnisch veränderten Organismen ausgehenden Risiken zu minimieren. Das Protokoll über biologische Sicherheit war das Ergebnis von Verhandlungen, die sich über mehr als eine Dekade hinzogen. Trotz dieser Beschlüsse und trotz zunehmender wissenschaftlicher Belege über die Gefahren dieser Technologie, gibt es derzeit eine wahre Deregulierungswelle.

Der Versuch, GVO-Lebensmittel freizugeben, ist falsch. Es ist falsch, weil es genügend wissenschaftliche Beweise gibt, die belegen, dass Genmanipulationen erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Die folgende Liste fasst die potentiellen wissenschaftlichen Risiken gentechnisch veränderter Nutzpflanzen und Lebensmittel zusammen:

• Toxische oder allergische Auswirkungen aufgrund transgener Produkte bzw. aufgrund der Interaktionen von transgenen Genen mit Wirtsgenen

• Trägervermittelte Ausbreitung von Markergenen mit Antibiotikaresistenzen auf unschädliche Bakterienstämme sowie auf Krankheitserreger

• Trägervermittelte, artenübergreifende Steigerung der Virulenz zwischen pathogenen Keimen durch horizontalen Gentransfer und Rekombination

• Potenzial für trägervermittelten, horizontalen Gentransfer und Rekombination mit der Folge, dass neue pathogene Bakterien und Viren entstehen

• Potenzial für trägervermittelte, ansteckende Zellen nach Einnahme von transgenen Lebensmitteln mit der Folge, dass Krankheitsviren gestärkt werden oder der Träger sich selbst in das Genom der Zelle einbringt und dort gesundheitsschädigende bzw. tödliche Folgen inklusive Krebs auslöst.

Es wurde festgestellt, dass Lebensmittel, die mit GVO hergestellt werden, neue und unerwartete Gesundheitsrisiken mit sich bringen. Gentechnisch manipulierte Hefe enthält z.B. 200-mal mehr Toxine als herkömmliche, gentechnikfreie Hefe. Der GVO-Mais “Star Link” musste wieder vom Markt genommen werden, weil er bei Menschen allergische Reaktionen hervorrief.

Im Jahr 1995 vergab die Regierung von Schottland einen mit 1,6 Millionen £ dotierten Forschungsauftrag an Prof. Arpad Pustzai, um die Sicherheit von gentechnisch veränderten Lebensmittel zu untersuchen.

Pustzais Team am renommierten Rowett Institut fand heraus, dass sich der Nährwert von GVO-Kartoffeln deutlich von ihren nicht-gentechnisch veränderten Ursprungslinien unterschied. Ratten, die mit GVO-Kartoffeln gefüttert wurden, hatten ein beschädigtes Immunsystem. Die weißen Blutkörperchen reagierten viel träger als die weißen Blutkörperchen von Ratten, die Futter erhielten, das nicht gentechnisch verändert war. Ratten, die GVO-Futter erhielten, waren deutlich anfälliger für Infektionen und verschiedene Krankheiten. Die mit dem Immunsystem in Verbindung stehenden inneren Organe wie Thymus und Milz wiesen ebenfalls Veränderungen auf. Ratten, die mit GVO-Futter gefüttert wurden, hatten ein kleineres Gehirn, eine kleinere Leber sowie kleinere Hoden. Bauchspeicheldrüse und Darm waren vergrößert. Bei einigen Ratten wurde eine Leberatrophie diagnostiziert. Signifikante strukturelle Veränderungen und Zellproliferation in Magen und Darm von Ratten, die gentechnisch veränderte Futtermittel erhielten, wiesen auf ein erhöhtes Krebsrisiko hin. All diese Auswirkungen konnten bereits nach 10 tägigen Fütterungsversuchen beobachtet werden.

Der Blumenkohl Mosaik Virus (CaMV) Promoter, der in allen gentechnisch veränderten Pflanzen verwendet wird, wurde nach einer einzigen Mahlzeit mit gentechnisch veränderten Futtermitteln völlig intakt im Körpergewebe von Ratten wiedergefunden. Die Forscher bestätigten darüber hinaus die Aktivität des Promoters in menschlichen Zellen. Die Forschung an GVO-Erbsen, die von der australischen Firma CSIRO entwickelt wurden, musste mit sofortiger Wirkung eingestellt werden, nachdem Studien ergaben, dass die gentechnisch veränderten Erbsen negative Auswirkungen auf das Immunsystem von Mäusen hatten.

Sehen Sie den Öko-Landbau und die Biodiversität als einzige Alternative zur Agrogentechnik?

Derzeit gibt es zwei kommerziell genutzte, gentechnische Anwendungen in der Landwirtschaft. Eine davon sind Bt-Pflanzen mit Schutz vor Schädlingsbefall, die andere sind Pflanzen mit eingebauter Herbizidresistenz. Bollwurm-Schädlinge entwickeln nach kurzer Zeit eine Resistenz gegen Pflanzen mit eingebauten Bt-Toxinen. Ein Anbau dieser Pflanzen führt daher zur Entwicklung eines “Super-Schädlings”. Außerdem verwandeln Bt-Pflanzen vormals unschädliche Insekten in Schädlinge und benötigen daher einen erhöhten Pestizideinsatz. Herbizid-resistente Pflanzen führen zu einem erhöhten Einsatz von Herbiziden, wie beispielsweise dem Totalherbizid Roundup. Der Anbau dieser Pflanzen resultiert ebenfalls in der Entwicklung von mehrfachresistenten “Superunkräutern”.

Ökologische, auf natürliche Biodiversität ausgerichtete Landwirtschaft hält Schädlinge und Unkräuter auf ökologische Art und Weise in Schach und benötigt für Schädlingsbekämpfung und Pflanzenschutz weder Pestizide, Herbizide oder Gentechnik.

Neben der Tatsache, dass ökologische Landwirtschaft der Agrogentechnik hinsichtlich Schädlings- und Unkrautkontrolle überlegen ist, gibt es in der Öko-Landwirtschaft auch keine Monokulturen wie beim Anbau von GVO-Pflanzen.

Produktivität ist Ertrag pro Einheit Input. Biologische Produktivität ist Ertrag pro Ackerfläche. Kleinstrukturierter Anbau, der die Artenvielfalt berücksichtigt, hat eine höhere Produktivität als Monokulturen, die für die industrialisierte, auf Maschinen ausgerichtete Landwirtschaft notwendig sind.

Höhere biologische Produktivität bedeutet besseres Einkommen für Kleinbauern. In Rajasthan erbrachte der Anbau von Perlhirse in Monokultur einen Nettogewinn von 2.480 Rs. pro Morgen. Im Vergleich: der Anbau von Perlhirse und Bohnen und Sesam als Vielfruchtkultur ergab einen Nettogewinn von 12.045 Rs., was einer Differenz von fast 10.000 Rs. pro Morgen entspricht. In Uttaranchal, brachte Reis, der in Monokultur angebaut wurde, einen Nettogewinn von 6.720 Rs. pro Morgen, während Reis, angebaut als biodiverse Kultur, einen Gewinn von 24.600 pro Morgen erbrachte. Dies entspricht einem Mehrbetrag von 16.000 Rs. In Sikkim wurden mit einer Mais-Monokultur 4.950 Rs. pro Morgen erwirtschaftet, während der Vielfruchtanbau von Mais, Radieschen, Lahi Saag und Erbsen einen Gewinn von 11.700 Rs. ergab. Die in Navdanya zusammengeschlossenen Reis- und Weizenbauern haben die Produktion von Reis und Weizen mit Hilfe von indigenem Saatgut und ökologischen Anbaumethoden verdoppelt. Jhumba Reis in Uttaranchal ergibt 176 Doppelzentner pro ha Biomasseproduktion verglichen mit nur 96 Doppelzentner pro ha Kasturi, einer Reissorte mit einem besonders hohen Ertrag. Die jeweiligen Reisernten ergeben 104 und 56 Doppelzentner pro ha.

Landwirte im westlichen Uttar Pradesh erwirtschafteten 62,5 Doppelzentner pro ha mit einer heimischen, ökologisch angebauten Weizensorte verglichen mit 50 Doppelzentner pro ha für konventionell, mit chemischen Düngemitteln angebauten Weizen.

Warum engagieren Sie sich so stark gegen die Agrogentechnik?

Der Hauptgrund, warum ich so viel Zeit und Energie für den “Kampf gegen die Agrogentechnik” aufwende, hat mit meiner ökologischen und ethischen Überzeugung und meiner Leidenschaft für eine gewaltfreie, mitfühlende Welt zu tun. Die rücksichtslose und ungerechte Gewalt, die neuartigen Risiken der Kontamination mit gentechnisch veränderten Organismen sowie das patentgesteuerte Monopol über Leben haben keinen Platz in einer auf Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Frieden basierenden Welt.

Vor zwölf Jahren, während der Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag Seiner Heiligkeit des Dalai Lama, referierte ich darüber, wie Gentechnik den Grundsatz des Mitgefühls verletzt. Damals steckte mir Seine Heiligkeit eine Notiz zu, auf der Folgendes geschrieben stand: “Alle fühlenden Wesen einschließlich der kleinsten Insekten lieben und schätzen sich selbst. Alle haben das Recht, Leid zu überwinden und glücklich zu werden. Ich bete deshalb dafür, dass wir allen Lebewesen mit Liebe und Mitgefühl begegnen” (S.H. Der Dalai Lama, 4. Juli 1995)

Der zweite Grund, warum ich die Agrogentechnik bekämpfe, ist meine Leidenschaft für die Wahrheit. Die Gentechnik begründet sich auf einem falschen, mechanistischen Paradigma. Die Behauptungen der Biotech-Industrie ziehen eine falsche Propaganda nach sich, die letztlich unsere Bauern umbringt.

Aus Liebe zur Wahrheit muss ich mich den falschen Versprechungen der Genkonzerne widersetzen.

Der dritte Grund für meinen Kampf gegen die Agrogentechnik ist mein unbedingter Wunsch, die Schönheit und Vielfalt unseres Planeten zu beschützen. Wir alle sollten die Biodiversität pflegen anstatt sie zu zerstören. Die Agrogentechnik ist die genetische Vergewaltigung der Biodiversität.



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